SPD-Termine zur Bundestagswahl am 22.9.2013

In Bad Waldsee auf der Hochstatt werben SPD-Frauen schwerpunktmäßig für ein SPD-Bundestagsmandat im Kreis Ravensburg jeweils von 9 bis 12 Uhr samstags, 7. 9.; 14.9. und 21.9. sowie dienstags, 3.9.; 10.9. und 17. 9. . Unseren Bundestagskandidat Hannes Munzinger persönlich erleben und befragen können Bürgerinnen und Bürger am Dienstag, 10.9. Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück spricht am Dienstag, den 10.9.2013, um 18:00 in Ulm auf dem Münsterplatz. Die Kundgebung beginnt um 17:00 Uhr. Für eine gemeinsame Anreise mit der Bundesbahn bittet SPD-Ortsvereinsvorsitzende Annette Uhlenbrock um eine tel. Anmeldung unter 07524-499 49.

Dreigliedriges Schulsystem ist überholt

Der SPD-Ortsverein diskutierte in seiner letzten Sitzung ausführlich über das Modell „Schule in Gemeinschaft“, das bereits im Staatsanzeiger im März in einer Sonderbeilage der CDU-Landtagsfraktion erschien und jetzt endlich auf Antrag der SPD Gruppierung im Gemeinderat vorgestellt wurde. Ganz deutliche Unterschiede zum bisherigen dreigliedrigen Schulsystem mit allen Folgeproblemen konnten die Anwesenden nicht erkennen. Im Gegenteil: durch die Einführung von Praxisklassen, die eine Gruppe von SchülerInnen in eine bestimmte Schublade schiebt, wird es in Bad Waldsee ein viergliedriges Schulsystem geben. „Eine „richtige“ Gemeinschaftsschule will doch gerade die Schwächeren stärken und das geschieht über das längere gemeinsame Lernen. Eine umfassende Bildung muss unabhängig von der sozialen Herkunft möglich sein.“, so Emil Kaphegyi. In einer bunten vielfältigen Gesellschaft geschehe Bildung nicht nebenbei, so die einhellige Meinung. Bildung beginne nach Auffassung von Annette Uhlenbrock bereits ab dem ersten Lebensjahr in einer solidarischen Gemeinschaft und begleite junge Menschen idealerweise in verbindlichen Gemeinschaftsschulen bis zur Klasse 10 bzw.13. Die veränderten Familienstrukturen erfordern neue pädagogische Konzepte und Wege. Die Ein-Ernährer-Familie gehört mehrheitlich der Vergangenheit an. Immer häufiger müssen Familien-Mütter – insbesondere alleinerziehende - eine eigenständige Altersvorsorge treffen. Jede Investition in Bildung erspart mögliche Folgekosten. Sozialdemokraten in Bad Waldsee wollen diese präventive Aufgabe mit Nachdruck vorantreiben. Auch ein ehrenamtlich arbeitender Kinderschutzbund kann nicht die Mängel eines dreigliedrigen Schulsystem beseitigen. Ende Februar lautete die Überschrift eines Interviews mit der Vorsitzenden Bärbel Coatti in der Schwäbischen „Im Schulsystem gehen viele Kinder unter“. Dies gilt es gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und den politisch Verantwortlichen zu verhindern.

„Die Nazis kamen für die große Masse nicht als Teufel“

Spaten statt Gewehre: Nicht zuletzt die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen brachten den Nazis Sympathien ein.

Emil Kaphegyi erklärt zum Abschluss der SZ-Serie „Waldsee wird braun“, warum die Nazis so eine breite Unterstützung erfuhren
Bad Waldsee / sz Auf der Basis von Emil Kaphegyis Aufsatz „Das Jahr 1933: Auch Waldsee wird braun“, erschienen 1983 und ein Jahr später in gebundener Form im Buch „Bad Waldsee – Zeugnisse aus Zeit und Zeitung“, hat die SZ in einer vierteiligen Serie den Weg zur braunen Kleinstadt nachvollzogen. Im abschließenden Interview mit Kara Ballarin berichtet Kaphegyi davon, was ihn an der damaligen Entwicklung selbst überrascht hat und wie die breite Akzeptanz der Nazis in der Gesellschaft so „schnell und sauber“, wie er sagt, vonstatten gehen konnte.

Herr Kaphegyi, in unserer Serie haben wir die unterschiedlichen Bereiche beleuchtet, in denen die Nationalsozialisten 1933 in Waldsee die Macht erlangten – politisch, gesellschaftlich sowie im Bereich der Kirche. Steht Waldsee stellvertretend für andere Kleinstädte?

Meine Fragestellung und Absicht war es ja, Waldsee als Musterbeispiel für das Braunwerden und das Vorgehen der NSDAP zu beleuchten. Es gibt kleine Unterschiede. Blickt man nach Schussenried, sieht man zum Beispiel, dass dort sehr früh der Schlossplatz in Hindenburgplatz und die Hauptstraße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt wurden. In Waldsee hat sich das Zentrum nicht ganz so krass den Nazis angebiedert. Allgemein aber glaube ich, dass das Vorgehen in Waldsee beispielhaft ist für eine kleine Stadt, vor allem für das katholische Oberland.

Wie Sie betonen, liegt Ihr Interesse gerade in der Anfangszeit, im Emporkommen der Nazis im Frühjahr 1933.

Das ist die spannendste Zeit. Auch Adenauer hat später gesagt: Am Anfang wäre noch etwas möglich gewesen, später nicht mehr. Dass der Umbruch so schnell und geräuschlos passieren konnte, führe ich darauf zurück, dass in Kleinstädten die Kirche einen viel größeren Einfluss auf die Gesellschaft hatte als in Großstädten.

Über die Rolle der katholischen Kirche haben wir im vierten Teil unserer Serie gesprochen. Wie stand es eigentlich um die evangelischen Theologen zu der Zeit?

1933 vereinte Kreuz und Hakenkreuz

Im Vorfeld zur Volksbefragung 1933 hat sich die Kirche ausdrücklich für den Nationalsozialismus ausgesprochen.

Nach anfänglichen Warnungen folgte die Kirche der Linie der NS-Regierung – Gottesdienste wurde feste Bestandteile der Nazi-Feierlichkeiten

Bad Waldsee 1933 war das Leben der Menschen in Bad Waldsee stark von der Kirche und ihren Festtagen geprägt. Religion spielte im Alltag eine wichtige Rolle. Da liegt es nahe, die Frage zu stellen, wie die Kirche zum aufkommenden Nationalsozialismus stand, umgekehrt aber auch, wie die Nationalsozialisten mit der Kirche umgingen. In seinem Text „Das Jahr 1933: Auch Waldsee wird braun“, erschienen 1983 und in gebundener Form im Buch „Bad Waldsee – Zeugnisse aus Zeit und Zeitung“ ein Jahr später, hat sich Emil Kaphegyi bereits zum 50. Jahrestag der Reichstagswahl von 1933 mit den braunen Anfängen der Stadt Waldsee beschäftigt. Hierbei hat er sich ebenfalls die Frage nach der Rolle von Kirche und Religion gestellt.
Wie bereits berichtet, konnten die Waldseer am 1. Mai 1933 bei einem Feldgottesdienst auf der Bleiche Kreuz und Hakenkreuzflagge nebeneinander stehen sehen. „Selbstverständlich war das damals noch nicht“, sagt Emil Kaphegyi im Gespräch mit der SZ. Vor 33 hatte die Deutsche Bischofskonferenz noch ausdrücklich vor dem Nationalsozialismus gewarnt. Außerdem war das Zentrum als katholische Partei ein natürlicher Gegner des Nationalsozialismus in der Politik.
„Am 28. März 1933 kam dann allerdings so gut wie über Nacht die Wende im Verhältnis der deutschen Bischöfe zu der neuen Regierung“, sagt Kaphegyi und zitiert aus „Formen des Widerstandes im Südwesten“, einem Buch, das von der Landeszentrale für politische Bildung herausgegeben wurde. Im März 1933 widerriefen die deutschen Bischöfe im Rahmen einer Synode ihre früheren Warnungen mit Verweis auf den Römerbrief in der Bibel, in dem unter anderem geschrieben steht, dass der Obrigkeit zu gehorchen ist. Die Bischöfe riefen auf zur „Treue gegen die rechtmäßige Obrigkeit und zur gewissenhaften Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten

Vereine und Verbände unterwerfen sich dem Diktat der Nazis

Aufstellung in Reih und Glied unter dem Maibaum auf der Bleiche

Der „Tag der deutschen Arbeit“ war einer der wichtigsten Feiertage im Festkalender der Nazis. (Foto: Stadtarchiv Bad Waldsee)

Auch im gesellschaftlichen Leben von Waldsee übernimmt die neue Bewegung die Macht – 1. Mai wird besonders gefeiert

Bad Waldsee: Ein Leiterwagen mit Getränken, eine Radtour mit der Familie, eine Wanderung mit Freunden: Das waren am Mittwoch für viele Waldseer die Zutaten für einen 1. Mai nach ihrem Geschmack. Der Feiertag, dieser Tag der Arbeit, hatte vor 80 Jahren eine gänzlich andere Choreografie, inszeniert von den Nationalsozialisten, die nicht nur im Gemeinderat zu dieser Zeit die Macht Stück um Stück an sich rissen.

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