Wie der Waldseer Gemeinderat gleichgeschaltet wurde

Nazis im Sitzungssaal des Waldseer Rathauses: Ab 1933 war der Gemeinderat fest in brauner Hand. (Foto: Stadtarchiv Bad W

Bad Waldsee: Aus heutiger Sicht fällt es schwer nachzuvollziehen, in welcher Geschwindigkeit im Jahr 1933 die Nationalsozialisten die Macht ergreifen konnten – bis in die kleinste Verästelung der Kommunalpolitik hinein. Noch im Februar 1933, kurz vor der Reichstagswahl am 5. März, hatte die Zentrumspartei im Waldseer Tagblatt die NSDAP als eine „rücksichtslose Partei“ bezeichnet mit der Befürchtung, es drohe bald eine „brutale Parteiherrschaft“. Im Mai, also gerade einmal drei Monate später, haben die Zentrumspolitiker der Stadt resigniert und stimmten freiwillig ihrer Dezimierung im Gemeinderat zu.

Vor 80 Jahren wurde auch Bad Waldsee braun

Die Ergebnisse der Reichstagswahl vom 5. März 1933. (Foto: Matthias Wagner)

Bad Waldsee Es ist die eine Sache, den geschichtlichen Blick zurück zu werfen auf die Anfänge der Nazi-Zeit in Deutschland. Trotz intensiver Aufarbeitung stellt sich vielen Menschen bis heute, oder auch gerade heute, die Frage: Wie konnte alles so weit kommen? Wie konnte Hitler, wie konnte die NSDAP, so unaufhaltsam die Macht übernehmen? Die Antworten darauf sind oft schmerzlich, verbunden mit vielen Konjunktiven wie: hätte, wäre, wenn. Ein zentraler Zeitpunkt hierbei ist die Reichstagswahl vom 5. März 1933 – die letzten freien Wahlen in Deutschland –, die sich jüngst zum 80. Mal gejährt hat.

Einladung

Liebe LeserInnen,

der SPD-OV Bad Waldsee und die SPD-Gemeinderäte laden herzlich zur Veranstaltung zum nachfolgenden Termin ein.
Vortrag und Diskussion sollen bei Bürgerinnen und Bürgern sowie bei Verantwortlichen in Verbänden/Verwaltungen und Unternehmensleitungen ein Bewusstsein für nachhaltige Innovationen in der Energiewirtschaft schaffen. Schließlich braucht die eingeleitete Energiewende neue Impulse, sie darf nicht ausgebremst werden.
Auf eine rege Teilnahme und eine spannende Diskussion freue ich mich.

Herzliche Grüße
Annette Uhlenbrock

Zum Dank gibts rote Socken


SPD-Bundestagskandidat Hannes Munzinger (hintere Reihe, Zweiter von links) ehrte die Waldseer SPD-Mitglieder. Hinten von links: Ernst Bohner, Hannes Munzinger, Detlef Wendel und Jürgen Sebening. Vorne von links: Arlette Fürst, Emil Kaphegyi, Christa Ulrich (Foto: Siegfried König )

Bei ihrem „Roten Fest“ hat der SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Ravensburg, Hannes Munzinger, acht SPD-Mitglieder für ihre 40-jährige und zwei Personen für ihre zehnjährige Parteimitgliedschaft geehrt. Für seinen ehrenamtlichen Einsatz als Ortsvereinsvorsitzender wurde Emil Kaphegyi vom Biberacher SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Gerster geehrt. Für Unterhaltung sorgte die Waldseer Band Andromeda.

Bad Waldsees Ortsvereinsvorsitzende Annette Uhlenbrock, die das „Rote Fest“ ins Leben gerufen hat, begrüßte den Bundestagsabgeordneten Martin Gerster, sowie die zahlreich versammelten SPD-Mitglieder und -Freunde. Mit Willy Brandts Worten „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist sie zu gestalten“ stellte sie den frisch gekürten Bundestagskandidaten Hannes Munzinger vor, der, so Uhlenbrock, in einem Jahr wohl den Wahlkreis Ravensburg im Bundestag vertreten werde.
In seiner Laudatio auf Emil Kaphegyi, der zehn Jahre lang SPD-Ortsvereinsvorsitzender und 28 Jahre lang Gemeinderat war, zeichnete der Parlamentarier Gerster das Bild eines europäischen Demokraten, der freiwillig auf sein Adelsprädikat „von“ verzichtete, der, in Ungarn geboren, über Sachsen nach Oberschwaben kam, hier seine Ehefrau Maria fand, Lehrer und Konrektor am Gymnasium Bad Waldsee wurde. Noch gut erinnere er sich an ihre erste Begegnung 1994 und nannte Kaphegyi einen Motivator, der der Partei schon einige hoffnungsvolle Jungpolitiker beschert habe.

Als Dank und Anerkennung für seine Verdienste um Partei und Ortsverein überreichte ihm Gerster das Peer-Steinbrück-Buch und ein paar rote Wollsocken.

Emil Kaphegyi erinnerte in seiner Erwiderung an gemeinsame Erlebnisse, unter anderem, als er mit Martin Gerster gemeinsam auf der Spree am Bundestag vorbeischipperte und er ihm prophezeit habe, dass er da hinein gehöre.

In seinem kurzen „Bericht aus Berlin“ bezeichnete Gerster die Entscheidung für Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten für richtig, obwohl Schwarz-Gelb ihn in einer „verlogenen Honorardebatte“ zu diskreditieren versuche. Während die Schröder-Regierung vier Milliarden Euro für Ganztagsschulen aufgebracht hätte, wolle die jetzige Regierung nun zwei Milliarden Euro dafür aufwenden, dass Kinder zu Hause blieben. Merkels Europapolitik führe Deutschland in die Isolation. Die Krise werde sich verschärfen, wenn nicht neben dem Sparzwang neue Impulse für Wachstum gesetzt würden. Des Weiteren sprach sich der Abgeordnete für eine Finanztransaktionssteuer von 0,5 Prozent auf Börsegeschäfte und die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns aus.

„Auch in Oberschwaben gibt es Menschen, die für weniger als fünf Euro die Stunde arbeiten und dann den Gang zum Landratsamt antreten müssen“, so Gerster. Das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz bezeichnete er als „Ohrfeige“ für den ehrlichen Steuerzahler.

Bundestagskandidat Hannes Munzinger blieb es vorbehalten, die Ehrung für langjährige Mitglieder vorzunehmen. SPD-Mitglied zu sein bedeute ein Bekenntnis zu Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Die Parteiseniorinnen und -senioren seien das Fundament, auf dem seine Generation aufbauen könne. Für ihren Einsatz und Treue zur Sozialdemokratie dankte er ihnen und zeichnete für 40 Jahre Parteizugehörigkeit mit der SPD-Ehrennadel aus: Christa Ulrich, Ernst Bohner, Jürgen Sebening und Detlef Wendel. An der Ehrung nicht teilnehmen konnten Reinhold Schön, Eckehard Strobel, Horst Waschull und Carola Rummel. Für ihre zehnjährige SPD-Mitgliedschaft erhielten Arlette Fürst und ihr Sohn Tobias Urkunden.

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