Hiermit nehme ich Stellung zum Thema „Schulen in Gemeinschaft", da die Gemeinderatssitzung am 6. Mai just bei diesem Punkt abgebrochen wurde und ich in der darauffolgenden Sitzung am 13. Mai nicht anwesend sein konnte. Ich stelle den Ausführungen der Bad Waldseer Schulleiter meine persönliche Meinung gegenüber.
Nach der Darstellung der Schulleiter soll auf dem Döchtbühl auf lange Sicht ein zweigliedriges Schulsystem etabliert werden. Warum begibt man sich dann nicht gleich auf den Weg zur Gemeinschaftsschule? Die positive Folge wäre eine Zuteilung von mehr Lehrerstunden sowie finanzieller Mittel. Der Arbeitskreis, der gebildet werden soll, könnte sofort effektiver und konstruktiver arbeiten, da die Zielvorgabe „Gemeinschaftsschule" bekannt wäre. Übrigens forderte die SPD-Fraktion noch unter dem ehemaligen Stadtrat Kaphegyi einen Bildungsbeirat für Bad Waldsee.
In den Waldseer Lehrerkollegien hätte sich bis dato keine Mehrheit abgezeichnet für die Einrichtung der Gemeinschaftsschule mit dem Ziel längeren, gemeinsamen Lernens. Derzeit stehe noch kein speziell dafür ausgebildetes Lehrerpersonal zur Verfügung. Sowohl Hauptschul-, Realschul- als auch Gymnasiallehrer sollten durch ihr Studium sehr wohl fähig sein, GemeinschaftsschülerInnen zu unterrichten. Dazu ist es erforderlich, dass das Kultusministerium schnellstmöglich Fortbildungsmaßnahmen und innovative Konzepte für das „Gemeinsame Lernen" anbietet.
Des weiteren wird behauptet, Kinder verlören aufgrund von kognitiven Schwierigkeiten die Lust an Lernen und Schule. Diese Kinder seien in kurzer Zeit frustriert. Dies ist nur der Fall, wenn der Unterrichtsstil der PädagogInnen sich nicht für die neuen Formen des begleitenden Unterrichts öffnet. Schicken dann nicht frustrierte Eltern ihre Kinder an umliegende Gemeinschaftsschulen?
Enttäuschend ist, dass es die Regierung bisher versäumt hat, Konzepte und Strukturen für das Modell Gemeinschaftsschule bindend zu schaffen. Die „Bad Waldseer Schulen in Gemeinschaft" müssen der Prozess zu einer Gemeinschaftsschule sein. In dieser müssen Kinder und Jugendliche nach ihren Fähigkeiten und Begabungen unter „einem Dach" ihren Bildungsabschluss machen können. Dazu braucht es Pädagogen und Schulsozialarbeiter als Begleiter. Die „soziale Schere" fängt in den Köpfen an. In Zukunft dürfen sich LehrerInnen nicht mehr über ihr Gymnasial-, Realschul-, Grund-, Haupt- und Sonderschulstudium definieren, sondern müssen in erster Linie Pädagogen sein. Darum ist es die Aufgabe der Bad Waldseer Schulleiter, ihre KollegInnen für die Gemeinschaftsschule zu motivieren.
Rita König, SPD-Stadträtin
Sonntag 26. Mai 2013
Weingarten, Kornhaussaal, Karlstr. 28, Beginn 10:30 Uhr
Mit einem öffentlichen Festakt am 26. Mai in Weingarten begehen die Sozialdemokraten in Kreis Ravensburg den 150. Jahrestag ihrer Partei. Die Kreis- SPD nimmt das Jubiläum zum Anlass, sich auch speziell mit der Geschichte der Sozialdemokratie und der Arbeiterbewegung in Oberschwaben zu beschäftigen. Die Veranstaltung findet vormittags im Kornhaussaal und nachmittags im Museum „Schlössle“ statt. Mit dieser Veranstaltung will die Kreis-SPD nicht nur ihre Mitglieder und Anhänger, sondern auch politisch und regionalgeschichtlich interessierte Bürger ansprechen.
In seinem Festvortrag wird Prof. Dr. Wolfgang Marcus an ein dunkles Kapitel unserer deutschen Geschichte erinnern, deren Aufarbeitung bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Er wird den Spuren der Verfolgung von Sozialisten durch das Nazi- Regime in Oberschwaben nachgehen. Zuvor wird der Bundestagskandidat der SPD, Hannes Munzinger, über seine Vorstellungen von einer Sozialdemokratie sprechen, die sich auf Augenhöhe mit der Gegenwart befindet und Antworten auf die Fragen der Zukunft geben kann. Für die musikalische Umrahmung sorgt Barny Bitterwolf mit Liedern aus der Revolution von 1848.
Emil Kaphegyi erklärt zum Abschluss der SZ-Serie „Waldsee wird braun“, warum die Nazis so eine breite Unterstützung erfuhren
Bad Waldsee / sz Auf der Basis von Emil Kaphegyis Aufsatz „Das Jahr 1933: Auch Waldsee wird braun“, erschienen 1983 und ein Jahr später in gebundener Form im Buch „Bad Waldsee – Zeugnisse aus Zeit und Zeitung“, hat die SZ in einer vierteiligen Serie den Weg zur braunen Kleinstadt nachvollzogen. Im abschließenden Interview mit Kara Ballarin berichtet Kaphegyi davon, was ihn an der damaligen Entwicklung selbst überrascht hat und wie die breite Akzeptanz der Nazis in der Gesellschaft so „schnell und sauber“, wie er sagt, vonstatten gehen konnte.
Herr Kaphegyi, in unserer Serie haben wir die unterschiedlichen Bereiche beleuchtet, in denen die Nationalsozialisten 1933 in Waldsee die Macht erlangten – politisch, gesellschaftlich sowie im Bereich der Kirche. Steht Waldsee stellvertretend für andere Kleinstädte?
Meine Fragestellung und Absicht war es ja, Waldsee als Musterbeispiel für das Braunwerden und das Vorgehen der NSDAP zu beleuchten. Es gibt kleine Unterschiede. Blickt man nach Schussenried, sieht man zum Beispiel, dass dort sehr früh der Schlossplatz in Hindenburgplatz und die Hauptstraße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt wurden. In Waldsee hat sich das Zentrum nicht ganz so krass den Nazis angebiedert. Allgemein aber glaube ich, dass das Vorgehen in Waldsee beispielhaft ist für eine kleine Stadt, vor allem für das katholische Oberland.
Wie Sie betonen, liegt Ihr Interesse gerade in der Anfangszeit, im Emporkommen der Nazis im Frühjahr 1933.
Das ist die spannendste Zeit. Auch Adenauer hat später gesagt: Am Anfang wäre noch etwas möglich gewesen, später nicht mehr. Dass der Umbruch so schnell und geräuschlos passieren konnte, führe ich darauf zurück, dass in Kleinstädten die Kirche einen viel größeren Einfluss auf die Gesellschaft hatte als in Großstädten.
Über die Rolle der katholischen Kirche haben wir im vierten Teil unserer Serie gesprochen. Wie stand es eigentlich um die evangelischen Theologen zu der Zeit?
Nach anfänglichen Warnungen folgte die Kirche der Linie der NS-Regierung – Gottesdienste wurde feste Bestandteile der Nazi-Feierlichkeiten
Bad Waldsee 1933 war das Leben der Menschen in Bad Waldsee stark von der Kirche und ihren Festtagen geprägt. Religion spielte im Alltag eine wichtige Rolle. Da liegt es nahe, die Frage zu stellen, wie die Kirche zum aufkommenden Nationalsozialismus stand, umgekehrt aber auch, wie die Nationalsozialisten mit der Kirche umgingen. In seinem Text „Das Jahr 1933: Auch Waldsee wird braun“, erschienen 1983 und in gebundener Form im Buch „Bad Waldsee – Zeugnisse aus Zeit und Zeitung“ ein Jahr später, hat sich Emil Kaphegyi bereits zum 50. Jahrestag der Reichstagswahl von 1933 mit den braunen Anfängen der Stadt Waldsee beschäftigt. Hierbei hat er sich ebenfalls die Frage nach der Rolle von Kirche und Religion gestellt.
Wie bereits berichtet, konnten die Waldseer am 1. Mai 1933 bei einem Feldgottesdienst auf der Bleiche Kreuz und Hakenkreuzflagge nebeneinander stehen sehen. „Selbstverständlich war das damals noch nicht“, sagt Emil Kaphegyi im Gespräch mit der SZ. Vor 33 hatte die Deutsche Bischofskonferenz noch ausdrücklich vor dem Nationalsozialismus gewarnt. Außerdem war das Zentrum als katholische Partei ein natürlicher Gegner des Nationalsozialismus in der Politik.
„Am 28. März 1933 kam dann allerdings so gut wie über Nacht die Wende im Verhältnis der deutschen Bischöfe zu der neuen Regierung“, sagt Kaphegyi und zitiert aus „Formen des Widerstandes im Südwesten“, einem Buch, das von der Landeszentrale für politische Bildung herausgegeben wurde. Im März 1933 widerriefen die deutschen Bischöfe im Rahmen einer Synode ihre früheren Warnungen mit Verweis auf den Römerbrief in der Bibel, in dem unter anderem geschrieben steht, dass der Obrigkeit zu gehorchen ist. Die Bischöfe riefen auf zur „Treue gegen die rechtmäßige Obrigkeit und zur gewissenhaften Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten
Die SPD veranstaltete in der Alten Mälze einen Erstwähler-Empfang
Der SPD- Bundestagskandidat des Wahlkreises Ravensburg, Hannes Munzinger, hat am 4. Mai 2013 in die Alte Mälze im Gasthaus Grüner Baum am Bad Waldseer Rathausplatz zu einem Erstwählerempfang eingeladen. Der Ehrengast an diesem Tag war Franz Müntefering, ehemaliger Arbeitsminister, SPD- Vorsitzende und Vizekanzler. Es wurden Ideen ausgetauscht, diskutiert und miteinander gesprochen. Der bekannte Politiker Müntefering lockte aber nicht nur junge Leute, auch viele langjährige SPD Mitglieder wollten sich die Veranstaltung nicht entgehen lassen.
Hannes Munzinger startete in den Nachmittag, hieß alle herzlich willkommen und stellte sich als Kandidat des Wahlkreises vor. Als einer der wenigen U- 30- Kandidaten, vermittelte er, dass er sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Generationen wünscht: "Die Gesetzgebung des deutschen Bundestages gilt für den 80-jährigen Rentner gleichermaßen wie für den 30-jährigen Handwerksmeister oder eben den 12-jährigen Schüler." Gemeinsam mit Müntefering wurde den Wählern der Generationenkonflikt und die künftigen Probleme, die auf Deutschland zukommen, erklärt. Hierbei fand Müntefering genau die richtigen Worte, um Politik für junge Menschen verständlich und interessant zu machen. Neben der jung aufbereiteten Rede Münteferings sorgten auch die musikalischen Einlagen von Alexander und Katharina Merk für den jugendlichen Charakter der Veranstaltung.
In seiner Rede erklärte Müntefering, auf welche gesellschaftlichen Probleme Deutschland in den nächsten Jahren zusteuert. „Es wachsen immer mehr Menschen in das Rentenalter und weniger in den Beruf. Darüber hinaus wird die Bevölkerung im Durchschnitt älter als früher, vor allem Frauen. Die leben länger als wir, sagen uns aber nicht, wie sie das machen. Aber das bekommen wir auch noch heraus“, so Müntefering und erntete amüsierte Blicke aus dem Publikum. Bevor die Veranstaltung in eine Diskussion mit dem Publikum überging, wünschte Müntefering seinem Schützling Munzinger das aller Beste für die Wahl.
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