Nach anfänglichen Warnungen folgte die Kirche der Linie der NS-Regierung – Gottesdienste wurde feste Bestandteile der Nazi-Feierlichkeiten
Bad Waldsee 1933 war das Leben der Menschen in Bad Waldsee stark von der Kirche und ihren Festtagen geprägt. Religion spielte im Alltag eine wichtige Rolle. Da liegt es nahe, die Frage zu stellen, wie die Kirche zum aufkommenden Nationalsozialismus stand, umgekehrt aber auch, wie die Nationalsozialisten mit der Kirche umgingen. In seinem Text „Das Jahr 1933: Auch Waldsee wird braun“, erschienen 1983 und in gebundener Form im Buch „Bad Waldsee – Zeugnisse aus Zeit und Zeitung“ ein Jahr später, hat sich Emil Kaphegyi bereits zum 50. Jahrestag der Reichstagswahl von 1933 mit den braunen Anfängen der Stadt Waldsee beschäftigt. Hierbei hat er sich ebenfalls die Frage nach der Rolle von Kirche und Religion gestellt.
Wie bereits berichtet, konnten die Waldseer am 1. Mai 1933 bei einem Feldgottesdienst auf der Bleiche Kreuz und Hakenkreuzflagge nebeneinander stehen sehen. „Selbstverständlich war das damals noch nicht“, sagt Emil Kaphegyi im Gespräch mit der SZ. Vor 33 hatte die Deutsche Bischofskonferenz noch ausdrücklich vor dem Nationalsozialismus gewarnt. Außerdem war das Zentrum als katholische Partei ein natürlicher Gegner des Nationalsozialismus in der Politik.
„Am 28. März 1933 kam dann allerdings so gut wie über Nacht die Wende im Verhältnis der deutschen Bischöfe zu der neuen Regierung“, sagt Kaphegyi und zitiert aus „Formen des Widerstandes im Südwesten“, einem Buch, das von der Landeszentrale für politische Bildung herausgegeben wurde. Im März 1933 widerriefen die deutschen Bischöfe im Rahmen einer Synode ihre früheren Warnungen mit Verweis auf den Römerbrief in der Bibel, in dem unter anderem geschrieben steht, dass der Obrigkeit zu gehorchen ist. Die Bischöfe riefen auf zur „Treue gegen die rechtmäßige Obrigkeit und zur gewissenhaften Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten
Die SPD veranstaltete in der Alten Mälze einen Erstwähler-Empfang
Der SPD- Bundestagskandidat des Wahlkreises Ravensburg, Hannes Munzinger, hat am 4. Mai 2013 in die Alte Mälze im Gasthaus Grüner Baum am Bad Waldseer Rathausplatz zu einem Erstwählerempfang eingeladen. Der Ehrengast an diesem Tag war Franz Müntefering, ehemaliger Arbeitsminister, SPD- Vorsitzende und Vizekanzler. Es wurden Ideen ausgetauscht, diskutiert und miteinander gesprochen. Der bekannte Politiker Müntefering lockte aber nicht nur junge Leute, auch viele langjährige SPD Mitglieder wollten sich die Veranstaltung nicht entgehen lassen.
Hannes Munzinger startete in den Nachmittag, hieß alle herzlich willkommen und stellte sich als Kandidat des Wahlkreises vor. Als einer der wenigen U- 30- Kandidaten, vermittelte er, dass er sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Generationen wünscht: "Die Gesetzgebung des deutschen Bundestages gilt für den 80-jährigen Rentner gleichermaßen wie für den 30-jährigen Handwerksmeister oder eben den 12-jährigen Schüler." Gemeinsam mit Müntefering wurde den Wählern der Generationenkonflikt und die künftigen Probleme, die auf Deutschland zukommen, erklärt. Hierbei fand Müntefering genau die richtigen Worte, um Politik für junge Menschen verständlich und interessant zu machen. Neben der jung aufbereiteten Rede Münteferings sorgten auch die musikalischen Einlagen von Alexander und Katharina Merk für den jugendlichen Charakter der Veranstaltung.
In seiner Rede erklärte Müntefering, auf welche gesellschaftlichen Probleme Deutschland in den nächsten Jahren zusteuert. „Es wachsen immer mehr Menschen in das Rentenalter und weniger in den Beruf. Darüber hinaus wird die Bevölkerung im Durchschnitt älter als früher, vor allem Frauen. Die leben länger als wir, sagen uns aber nicht, wie sie das machen. Aber das bekommen wir auch noch heraus“, so Müntefering und erntete amüsierte Blicke aus dem Publikum. Bevor die Veranstaltung in eine Diskussion mit dem Publikum überging, wünschte Müntefering seinem Schützling Munzinger das aller Beste für die Wahl.
Der „Tag der deutschen Arbeit“ war einer der wichtigsten Feiertage im Festkalender der Nazis. (Foto: Stadtarchiv Bad Waldsee)
Auch im gesellschaftlichen Leben von Waldsee übernimmt die neue Bewegung die Macht – 1. Mai wird besonders gefeiert
Bad Waldsee: Ein Leiterwagen mit Getränken, eine Radtour mit der Familie, eine Wanderung mit Freunden: Das waren am Mittwoch für viele Waldseer die Zutaten für einen 1. Mai nach ihrem Geschmack. Der Feiertag, dieser Tag der Arbeit, hatte vor 80 Jahren eine gänzlich andere Choreografie, inszeniert von den Nationalsozialisten, die nicht nur im Gemeinderat zu dieser Zeit die Macht Stück um Stück an sich rissen.
Mit einem öffentlichen Festakt am 26. Mai in Weingarten begehen die Sozialdemokraten in Kreis Ravensburg den 150 Jahrestag ihrer Partei. Die Kreis-SPD nimmt das Jubiläum zum Anlass, sich auch speziell mit der Geschichte der Sozialdemokratie und der Arbeiterbewegung in Oberschwaben zu beschäftigen. Die Veranstaltung findet vormittags im Kornhaussaal und nachmittags im Museum „Schlössle“ statt. Mit dieser Veranstaltung will die Kreis-SPD nicht nur ihre Mitglieder und Anhänger, sondern auch politisch und regionalgeschichtlich interessierte Bürger ansprechen.
In seinem Festvortrag wird Prof. Dr. Wolfgang Marcus an ein dunkles Kapitel unserer deutschen Geschichte erinnern, deren Aufarbeitung bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Er wird den Spuren der Verfolgung von Sozialisten durch das Nazi-Regime in Oberschwaben nachgehen. Zuvor wird der Bundestagskandidat der SPD, Hannes Munzinger, über seine Vorstellungen von einer Sozialdemokratie sprechen, die sich auf Augenhöhe mit der Gegenwart befindet und Antworten auf die Fragen der Zukunft geben kann. Für die musikalische Umrahmung sorgt Barny Bitterwolf mit Liedern aus der Revolution von 1848.
Am Samstag, den 4. Mai 2013 kommt Franz Müntefering für einen
Erstwähler-Empfang mit dem SPD-Bundestagskandidaten
Hannes Munzinger in die Alte Mälze im Grünen Baum. Der ehemalige
Arbeitsminister, SPD-Vorsitzende und Vizekanzler wird über sein
Herzensanliegen, die Gestaltung des demographischen Wandels, sprechen.
"Das Miteinander unterschiedlicher Generationen ist eine
zentrale Vorraussetzung für das Gelingen politischer Herausforderungen
von Alterssicherung bis hin zur Energiepolitik.
Deshalb wollen wir junge Ideen und politische Erfahrung
zusammenbringen", so Munzinger. Ab 16 Uhr lädt die Waldseer SPD
dazu vor allem Erstwähler, natürlich aber auch alle anderen
Interessierten, in die Alte Mälze (Hotel-Restaurant Grüner Baum,
Hauptstraße 34, 88339 Bad Waldsee) ein.