Die SPD-Landesfraktion war gestern in Ravensburg, gastierte unter anderem in der Kuppelnauschule. Ein Besuch mit Symbolwert, war Rektor Bosch doch erst kürzlich heftig mit der CDU-Landesregierung aneinander- geraten. SPD und Pädagoge sind sich indes einig: Das dreigliedrige Schulsystem hat keine Zukunft.
"Das ist keine Floskel", begrüßte Rudolf Bosch die Gäste im dritten Stock der Kuppelnauschule aus Stuttgart. "Es freut mich sehr, dass Sie hier sind." Die Freude ist verständlich, musste sich der engagierte Pädagoge doch erst kürzlich als Totengräber der Schule beschimpfen lassen, zumindest der Schule, wie wir sie heute kennen. Zur Erinnerung: Im Sommer dieses Jahres fordert Rudolf Bosch in einem offenen Brief zusammen mit 100 Rektoren die Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems. CDU-Fraktionschef Stefan Mappus fordert daraufhin, den Schulleiter von seinem Posten zu entfernen. Bosch muss zum Rapport nach Stuttgart, behält aber Amt und Würden. In der Krise bekommt er demonstrativ Unterstützung vom Gemeinderat Ravensburg. Und gestern wiederholt von SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel: "Mit unserem Besuch stärken wir Rudolf Bosch den Rücken, das es richtig ist, seinen Weg zu gehen."
Als "absoluten Tiefpunkt der politischen Auseinandersetzung und des politischen Stils in Baden-Württemberg" bewertet der SPD-Kreisverband nach eigenen Angaben die Drohung des CDU-Landtagsfraktionsvorsitzenden Stefan Mappus gegenüber dem Ravensburger Hauptschulrektor Rudolf Bosch mit einer Amtsenthebung.
Die SPD im Kreis Ravensburg hat sich auf die Suche nach einem Bewerber oder einer Bewerberin für den Bundestag begeben - und ist fündig geworden. Anne Jenter, eine heute in Frankfurt lebende Schwäbin, wird sich um das Mandat bemühen.
Noch steht der Termin der Nominierung im Rahmen einer Delegiertenversammlung nicht fest, aber er wird voraussichtlich in der letzten Septemberwoche oder Anfang Oktober sein, so der Kreisvorsitzende Rudolf Bindig. Bis dahin könnten sich auch noch andere Kandidaten melden.
Die Gemeinsamkeit von Gewerkschaften und Sozialdemokratie in grundlegenden ordnungspolitischen Zielen herauszustellen, war ein erklärtes Ziel des jüngsten Parteitags der Ravensburger Kreis SPD in Aulendorf. Das andere Ziel war die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Strukturproblemen der Alterssicherung. Zuvor hatten die anwesenden Mitglieder des SPD-Kreisverbands die stellvertretende Kreisvorsitzende Gisela Müller und den Eschacher Ortsvorsitzenden Günther Biegert zu Delegierten für die Landeskonferenz der SPD für die Bestimmung der Kandidaten für die Europawahl 2009 bestimmt.
Mit Anne Jenter hatte der Kreisvorsitzende Rudolf Bindig nach seinen Worten eine dafür bestens geeignete Referentin gewonnen. Die gelernte Grund- und Hauptschullehrerin weist eine beeindruckende Karriere als Gewerkschafterin auf, die sie bis nach Frankfurt in den Hauptvorstand der GEW geführt hat. In dieser Funktion hat sie sich intensiv mit dem Thema Alterssicherung beschäftigt. Zugleich ist Jenter engagierte Sozialdemokratin.
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