
Die Schwäbische Zeitung berichtet am 24.01.2020 in der Druckausgabe und Online über unsere Mitgliederversammlung - vollständiger Bericht als PDF-Version.
Jan Peter Steppat, Schwäbische Zeitung, Wangen:
Die Krise zwingt die SPD zu neuen Ideen vor Ort

Die Schwäbische Zeitung berichtet am 24.01.2020 in der Druckausgabe und Online über unsere Mitgliederversammlung - vollständiger Bericht als PDF-Version.
Jan Peter Steppat, Schwäbische Zeitung, Wangen:
Die Krise zwingt die SPD zu neuen Ideen vor Ort
Auf allen Ebenen schlechte Wahlergebnisse in Serie, immer weniger Mitglieder – und jene, die noch dabei sind, haben oft das Rentenalter erreicht:
Die seit Jahren andauernde Krise der SPD ist auch vor Ort deutlich spürbar. Deshalb machen sich die Sozialdemokraten derzeit intensive Gedanken, wie es weiter gehen kann – und möglichst wieder nach oben. Für die Ortsvereine bedeutet das: Neue Strukturen sind im Gespräch und möglicherweise Fusionen. Darüber haben Wangens Genossen jetzt diskutiert – mit verschiedenen Ansätzen.
Möhrle: Mit Schröder begann der Niedergang
Seit 1998 Mitglied und als langjähriger Geschäftsführer des SPD-Regionalzentrums mit Sitz in Biberach, kennt Ulrich Möhrle die Ortsvereine in der Region aus dem Eff-Eff. Und in der damals beginnenden Kanzlerschaft von Gerhard Schröder sieht er den Beginn des Niedergangs seiner Partei. Zum einen wegen der umstrittenen Hartz-Gesetze. Sie hätten viel von der gerade für die SPD-Anhänger besonders wichtigen Glaubwürdigkeit gekostet. Aber nicht nur das: „Ab 1998 hat die Partei die Ortsvereinsarbeit vergessen“, erklärte er bei der Mitgliederversammlung der Wangener Genossen am Mittwochabend im Weberzunfthaus. Mit problematischen Folgen: Viele Ortsvereine funktionieren nicht mehr richtig, das sei unter anderem bei Landesparteitagen spürbar: „Da fehlt die breite Debatte zunehmend.“ Auch weil von unten inhaltlich kaum noch etwas komme – und wenn, dann oft nur, weil ein Antrag einen Personalvorschlag unterfüttere, um die Chancen des Kandidaten zu steigern.
Politische Arbeit soll wieder in den Vordergrund
„Aus diesem Dilemma müssen wir rauskommen“, gab Möhrle das Ziel vor, hinter dem eine aktuell beginnende Debatte über mögliche neue Strukturen der Basis steckt. Etwa im Bodenseekreis, wo sich eine entsprechende Gruppe seit einigen Monaten um genau dieses Thema kümmere. Deren Ansinnen sei eine „zielgerichtete politische Arbeit“. Konkret kann dies laut Möhrle so aussehen: Bisherige Ortsvereine einer Region schließen sich zu so genannten Verbünden zusammen. Deren Vorstände seien dann für die „geschäftsführende Verwaltung“ zuständig, die damit vom Papierkram befreiten Beisitzer aus den Ortsvereinen, aktive Mitglieder sowie Gemeinderäte für die Inhalte. Sie sollen die Kommunalpolitik „am Leben und Laufen“ halten, so der Regionalgeschäftsführer. Denn: „Es geht nicht ohne das fachliche Spezialwissen in den einzelnen Gemeinden.“ Bei einem Treffen in Münsingen soll das Modell demnächst diskutiert werden, auch mit dem Wissen, dass bloße Fusionen offenbar eher schaden denn nutzen. So wie am See. Dort hatten sich vor einiger Zeit die kleinen Ortsvereine Owingen und Sipplingen mit dem viel größeren aus Überlingen zusammen geschlossen. Das Ende vom Lied war, laut Ulrich Möhrle: In beiden Orten ist die SPD komplett von der Bildfläche verschwunden – und war in Sipplingen bei den letztjährigen Kommunalwahlen auch nicht wählbar. Die neue Struktur-Idee im Bodenseekreis ist hingegen offenbar schon recht weit gediehen. Aus derzeit 16 Ortsvereinen könnten am Ende vier bis fünf Verbünde gebildet werden, und der Regionalgeschäftsführer verdeutlichte: Das könnte auch auf den Landkreis Ravensburg übertragen werden.
Zwölf Ortsvereine im Kreis Ravensburg – noch
Dort gibt es derzeit noch zwölf Ortsvereine. Vergangenes Jahr hatten jene aus Bad Wurzach und Kißlegg fusioniert, zuvor schon Baindt und Baienfurt. Außerdem war ein Ortsverein Vorallgäu gebildet worden, bestehend aus den Gemeinden Amtzell, Grünkraut, Vogt, Bodnegg, Waldburg, Bergatreute sowie Schlier. Martin Schmitt, am Mittwochabend neu gewählter Wangener SPD-Vorsitzender und Mitglied des hiesigen Kreisvorstands, hält hier drei Verbünde für denkbar und präzisierte: „Eine rein geografische Zusammenlegung kann es nicht sein.“ Stattdessen soll den Gruppierungen vor Ort „ein Werkzeugkoffer“ für die politische Arbeit zur Verfügung gestellt werden. Ulrich Möhrle hatte den Wangenern zuvor verdeutlicht: „Wenn Ihr jetzt Kommunalpolitik für Kißlegg plant, wird es schwierig.“
„Aus Angst vor dem Tod nicht Selbstmord begehen“
Die hatten grundsätzlich ein offenes Ohr für die Vorschläge, äußerten aber auch Skepis. „Wir sollten aus Angst vor dem Tod nicht Selbstmord begehen“, warnte Siegbert Schlor grundsätzlich. Die beiden SPD-Stadträte Gerhard Lang und Alwin Burth plädierten für eine Orientierung an kommunalen Verwaltungsstrukturen, zum Beispiel dem Zuschnitt der Verwaltungsgemeinschaft Wangen, Achberg, Amtzell. Lang verwies überdies auf die zehn Wahlkreise für den Kreistag. Deshalb sind für ihn „vier bis fünf“ Ortsvereine oder Verbünde „völlig undenkbar“.
So geht Wangens SPD in die Zukunft
Ungeachtet der Strukturdebatte geht die Wangener SPD das neue Jahr optimistisch an. Denn grundsätzlich bildeten die Vorstandsneuwahlen den Kernpunkt der Mitgliederversammlung. Die wählte den seit November kommissarisch amtierenden Martin Schmitt einstimmig zu ihrem neuen Vorsitzenden. Nach zwei Personalwechseln an der Spitze im vergangenen Jahr, teilweise gescheiterten Wahlen im Sommer und in der zweiten Jahreshälfte fehlenden Aktivitäten soll die SPD in Wangen „wieder eine gute Präsenz hinbekommen“. Der 58-Jährige, beruflich im IT-Bereich Selbstständige, sagte überdies das Einbringen in politische Themen, einen guten Informationsfluss und eine ebensolche Organisation zu – alles mit dem Ziel, vor allem jüngere Menschen und Familien wieder für die Partei zu gewinnen. Ebenso einmütig wie Schmitt wurden Gerald Seiss als zweiter Vorsitzender, Kassierer Siegbert Schlor und Schriftführer Anton Diebold gewählt. Gleiches galt für die Beisitzer Alwin Burth, Jürgen Rölli, Gerhard Lang, Josef Netzer, Burhan Cabak, Manfred Rupp und Lavanya Yogalingam. Revisoren sind Angelika Rupp und Adolf Wetzel.
Homepage SPD Ortsverein Wangen im Allgäu
24.08.2026 19:52 Pflegenden Angehörigen die Alterssicherung zu kürzen, wäre das falsche Signal
Die angekündigte Kurskorrektur von Bundesgesundheitsminister Linnemann bei der Pflegereform unterstützen wir, sagt Christos Panztazis. Dafür braucht es aber auch eine gerechte Gegenfinanzierung. „Wir begrüßen die angekündigte Kurskorrektur von Bundesgesundheitsminister Linnemann ausdrücklich. Es ist richtig, die geplante Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige komplett zurückzunehmen. Wir als SPD haben von Anfang an deutlich gemacht: Die Stabilisierung… Pflegenden Angehörigen die Alterssicherung zu kürzen, wäre das falsche Signal weiterlesen
03.07.2026 18:19 Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv
Zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung warnt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD vor negativen Folgen. „Der von der Union durchgesetzte Punkt der Koalitionsausschusseinigung, dass künftig bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung eingeholt werden muss, ist völlig abenteuerlich“, erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Boris Velter. „Wenn nun… Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv weiterlesen
23.06.2026 19:06 Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission
Reform muss zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führen Der Abschlussbericht der Rentenkommission ist eine gute Grundlage für eine umfassende Reform, die wir jetzt gründlich beraten und dann auf den Weg bringen wollen. „Die Kommission hatte die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ihren Lebensstandard im Alter sichern… Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission weiterlesen
20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen
18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen
Ein Service von info.websozis.de