Bad Waldsee stoppt Biosphärengebiet – verpasste Chance für Region und Umwelt

Veröffentlicht am 12.01.2026 in Gemeindenachrichten

Der Gemeinderat von Bad Waldsee beendete am 10.11.2025 mit einem CDU-Antrag das Projekt eines Biosphärengebiets in Oberschwaben.

Da Bad Waldsee eine Schlüsselrolle hatte, wurde damit der gesamte regionale Beteiligungsprozess gestoppt.

Ein SPD-Antrag zur Fortsetzung der Bürgerbeteiligung blieb unberücksichtigt; die Debatte war vor allem von gut organisierten Gegnern geprägt, die vor Einschränkungen und Bürokratie warnten.

Es wurden dabei die ökologischen, historischen und wirtschaftlichen Chancen eines Biosphärengebiets – insbesondere für die Moor- und Bäderstädte Oberschwabens und den Tourismus – ausgeblendet. Stattdessen dominierten Narrative gegen Regulierung.
CDU und Freie Wähler sorgten dafür, daß ohne weitere Bürgerbeteiligung eine große Chance für Stadt und Region vertan wurde.

Beitrag unserer OV Vorsitzenden Carola Rummel, Bad Waldsee, Januar 2026

 

 

Der Gemeinderat von Bad Waldsee hat in seiner Sitzung am10.11. 2025 das Projekt Biosphärengebiet in Oberschwaben zu Fall gebracht. Mit dem CDU-Antrag zur schnellen Entscheidung über das Thema wurde Diskussions- und Beteiligungsprozess  für die ganze Region beendet, denn Bad Waldsee war „Das Zünglein an der Waage“.
Der Antrag von Karl Schmidberger(SPD), den bisher von Gegnern geprägten Beteiligungsprozess fortzusetzen, blieb unberücksichtigt. Die Szene war geprägt von den Gegnern, die offenbar weit besser organisiert waren, als die Befürworter.
Der monatelange Versuch der Landwirte und Waldbesitzer, geprägt durch unzählige Banner auf Feldern, und einseitige Darstellung der „Gefahren“, mit Angstmache vor enormen Einschränkungen und nicht umkehrbarer Pro-Entscheidung, Ablehnung einer unterstützenden Dienststelle war somit von Erfolg gekrönt.
Warum sich die Stadträtinnen und Stadträte der CDU und auch der Freien Wähler dieser Argumentation mit einer Ausnahme anschlossen, bleibt dahingestellt. Sie fanden Die Einrichtung eines Biosphärengebietes in unserer Region nicht  unterstützenswürdig.

Dabei hätten gerade die oberschwäbischen Bäderstädte (Wurzach, Waldsee, Buchau, Schussenried: alles Moorbäder) genug Anlass gehabt, dieses von der aktuellen grün-schwarzen Landesregierung eingeleitete Verfahren zur Schaffung eines 3. Biosphärengebietes zu unterstützen, denn wegen der belegt heilsamen Wirkung von Moorbädern wurden neue Kureinrichtungen geschaffen und Waldsee zur Kurstadt Bad Waldsee erkoren. Vor- jetzt fast 70 Jahren. Der Kurbetreibe ist heute noch ein bedeutender Wirtschaftszweig in unserer Stadt.

Heute ist bekannt, dass Moore eine weit über diese gesundheitsfördernde Wirkung hinausgehende, ökologische Bedeutung haben, weshalb trockengelegte Moore in zunehmendem Maße wiedervernässt werden.
Oberschwabens Struktur ist geprägt von mehreren Eiszeiten, die letzte endete vor rund 15.000 Jahren. Sie hat uns Kies in Hülle und Fülle hinterlassen, unsere landschaftsprägenden Moränenhügel, unzählige Gewässer, auch unsere  zwei Seen im Stadtzentrum, die die Stadtgeschichte und -entwicklung kräftig prägten- und natürlich die Riede.  Das nächste, das Steinacher Ried, und  der vielfach unbekannte, schon 100-jährige „Urwald“ hätten ein Kerngebiet  des Biosphärengebiets werden können. Ich meine, der geschichtliche Hintergrund  und die Ökologische Bedeutung der Riede muss unser Bewusstsein prägen, mehr Wertschätzung erfahren und den Willen zur Erhaltung fördern.


All diese guten Argumente für eine Hervorhebung unserer landschaftlichen Ausprägung und „Schätze“ durch ein Biosphärengebiet wurden nicht einmal erwähnt, auch nicht die mögliche touristische Aufwertung, wie sie bereits in den beiden bestehenden Biosphärengebieten stattgefunden hat.
Vielmehr standen die Narrative von Gängelung der Landbesitzer durch Regelungen im Vordergrund der Diskussion. Bloß keine Einschränkungen, bloß keine Bürokratie.
Dabei sind Regelungen notwendig, um übergeordnete Ziele umzusetzen, wie z.B. Naturschutz, Gesundheitsschutz oder Sicherheit. In anderen Lebensbereichen werden Änderungen akzeptiert, z.B. das Rauchverbot in Lokalen oder im Verkehr, wo keiner mehr über rote Ampeln diskutiert, denn ohne hätte wir Chaos.


Daraus folgt aus meiner Sicht: rote Ampel für die gewählten Vertreter CDU und der Freien Wähler, die die für unsere Stadt und Region die in Aussicht gestellt große Chane eines dritten Biosphärengebietes aus welchen auch immer Gründen und ohne weitere Bürgerbeteiligung verhindert haben.


 Carola Rummel
Vorsitzende des SPD-OV in Bad Waldsee

Homepage SPD Bad Waldsee

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